Weihnachten – nicht zuhause und doch zuhause ?

Die Weihnachtsfeiertage liegen zwar schon hinter uns und das neue Jahr hat begonnen, trotzdem möchte ich jetzt aber noch von dem – für mich ganz besonderen- Weihnachtsfest hier berichten.

Die Feiertage wurden eingeläutet von den üblichen Vorbereitungen, die überall vor einem großen Fest anstehen. Der Baum wurde geschmückt, die Kinder machen sich auf den Weg zur Probe für das Krippenspiel und zum Wichteln mit anderen Kindern aus dem Dorf, der Chor probt für die Weihnachtsmesse. Letzte Plätzchen wurden gebacken und zwei Truthähne geschlachtet – letzteres ist hier für die Kinder weniger „interessant“ oder besonders, als es für mich war und es gibt dir zu denken. Hier siehst du, wie das Tier gelebt hat, du weißt woher das Fleisch kommt, wenn du welches isst.

Der heilige Abend ist da. Morgens geht es zur letzten Adventsmesse in die Kirche und die letzte Kerze wird entzündet. Wir essen Sarmale zum Mittagessen und danach kehrt dann erstmal für eine Kurze Zeit Ruhe ein. Bis um vier Uhr dann die Kinder zu „Colinde“ , also Weihnachtslieder, singen aufbrechen. Es haben sich Grüppchen aus drei bis vier Kindern gebildet und auch mir wird die große Ehre zu Teil, mich einer dieser Gruppen anzuschließen 😉  Zur Freude der Kinder nehme ich mein Saxophon mit, um die Sänger und Sängerinnen zu begleiten. Nur dem geschulten Ohr fiel dabei hoffentlich auf, dass wir nicht immer ganz miteinander harmonierten. :))

Während die Sonne an diesem Heiligabend also langsam unter geht und meine Familie zuhause in der Christmesse sitzt, marschieren wir fünf von Haus zu Haus, singen und wünschen „Fröhliche Weihnachten !“  Die Leute im Dorf, die besucht werden möchten, haben das Tor zu ihrem Grundstück weit offen stehen und empfangen die Kinder mit Süßigkeiten oder Getränken. Ich sehe an diesem Abend auch viele Ecken vom Dorf, die mir bis jetzt noch gar nicht bewusst aufgefallen waren und lerne ein paar neue Menschen kennen, sehe wo und wie sie leben, bekomme mit wie sich die Letzten auf das Weihnachtsfest vorbereiten, Weihnachtsessen gekocht wird, wie die Häuser herausgeputzt und Bäume geschmückt wurden. Es liegt der magische Duft von Weihnachten in der Luft.  Zwar frieren uns die Nasen und Füße, als wir uns schließlich auf den Rückweg machen, aber es hat sich gelohnt. Die Taschen voll mit Süßigkeiten und auch dem ein oder anderen Schein, kommen die Kinder zurück ins Haus.

Dort empfangen auch wir die letzten „Colinde“- Sänger und wärmen uns dann bei einer Tasse Tee auf, bevor es dann um kurz nach acht Uhr wieder raus in die Kälte geht, zur Messe in die Kirche. Für die Weihnachtsmesse hat der „Kirchenchor“ extra mehrere Lieder eingeprobt. Viele Jugendliche und auch ein paar ältere Damen aus dem Dorf versammeln sich auf der Orgelbühne, um Weihnachtslieder für die ganze Gemeinde zu singen. In diesem Jahr darf auch ich mitsingen und auch wenn ich nicht jede Probe mitbekommen habe, finde ich, dass ich mich ganz gut schlage. Es ist ein feierliches Gefühl dort oben zu stehen und Weihnachtsbaum und Krippe zu betrachten. Zwar denke ich in diesem Moment auch daran, wie meine Familie genau um diese Uhrzeit zusammen unter dem Tannenbaum sitzt, Geschenke auspackt und unser Hund meterweise Geschenkpapier zerfetzt,  wo wir jedes Jahr gemeinsam Plätzchen essen und die vertrauten Weihnachtslieder gesungen werden.  Aber wenn ich auf den gelungenen Tag zurückblicke, der hinter mir liegt, bin ich sehr glücklich jetzt gerade in diesem Moment hier zu sein und Weihnachten ganz anders zu erleben.

Die Luft ist kalt und der Himmel sternenklar, als wir uns um halb elf auf den Heimweg machen. Hier ist sie, die Stille, die der heiligen Nacht nachgesagt wird.

Der erste Weihnachtsfeiertag läuft ereignisloser aber dennoch genauso schön ab. Nachdem wir morgens gemeinsam die Kirche besucht haben, gibt es Mittagessen und schon kurz danach machen sich wieder einige Kinder auf den Weg, um mit einer größeren Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus dem Dorf Weihnachtslieder an den Haustüren zu singen. Für mich bleibt an diesem Nachmittag viel Zeit für Gespräche mit Kindern und Educatoren, zum Spielen mit den Kleinsten und zum obligatorischen Mandarinen-Essen. Die Gruppe von Sängern und Sängerinnen kommt schließlich auch bei uns vorbei und wir hören noch einmal die rumänischen Weihnachtslied-Klassiker, verteilen Tee und Kekse an die Gruppe, unterhalten uns mit ihnen bis sie wieder aufbrechen und zum nächsten Haus weiter ziehen.

Fazit nach dem Weihnachtsfest: Das befürchtete schlimme Heimweh ist nicht eingetreten, ich habe wundervolle Stunden mit Menschen verbracht, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, habe Traditionen miterlebt und durfte das besondere Weihnachtsgefühl mit allen hier teilen. Wenn auch einige Dinge sicherlich anders abgelaufen sind als bei einem Weihnachtsfest zuhause so waren es genau diese Dinge, die es so einzigartig gemacht haben.

Erwartet in Kürze einen neuen Blogeintrag!

Ein gutes neues Jahr an euch alle ! ❤

Franzi IMG_9450IMG_9713IMG_9376IMG_9444

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s